Kämpfende Zebras, schwarz weiß

Beziehungen – oder Probleme finden, die man alleine nie gesucht hätte

Diese Beitragsreihe handelt von menschlichen Beziehungen im Allgemeinen und Paarbeziehungen im Speziellen.

In meiner Praxis arbeite ich immer wieder mit Paaren. Die Themen sind eine Mélange aus alten Verletzungen, Missverständnissen, Kommunikationsschwierigkeiten, Expartner*innen, Eltern, Kindern und Konflikten aller Art.

Ich arbeite unglaublich gerne mit Paaren zusammen, es macht Spaß dabei zu helfen, dass die Beziehung besser läuft und ich liebe es, mit den Menschen gemeinsam eine neue Beziehungskultur zu erarbeiten. Natürlich enden manche Beziehungen auch in der Trennung, aber auch dafür lassen sich Lösungen finden, mit denen beide Parteien einverstanden sind.

Selbstverständlich werde ich hier niemanden vorstellen, mit dem ich arbeite! Ähnlichkeiten sind rein zufällig und auf keinen Fall beabsichtigt. Denn, wenn wir mal ehrlich sind, bei welchem Paar herrscht jeden Tag eine „Butter – Sahne – Vanille – Stimmung“? Demnach trifft das Meiste hier eh auf viele Paare zu.

Die Schwierigkeit besteht zu Anfang der Therapie meist darin, herauszufinden, um was es eigentlich geht und ein halbwegs gemeinsames Ziel für die Stunde zu finden. Den meisten ist zwar bewusst, dass es sich nicht wirklich um die ständig offen gelassene Zahnpastatube oder um das angestrebte Abendprogramm handelt, aber darüber lässt sich nun mal viel einfacher streiten oder – auch sehr beliebt – schweigen, als gar zu überlegen, wo es herkommt, dass man sich nicht gesehen oder geliebt fühlt. Oder, auch immer wieder gern genommen: Bevormundet fühlt.

Kaum zu glauben, aber wahr: Menschen missverstehen sich öfter als sie glauben, weil sie meist davon ausgehen, dass die andere Person nach den selben Regeln spielt. Ja, nee.. is‘ klar.

Aber fangen wir doch mal ganz von vorne an. Wie leicht oder schwer fällt es euch, andere so zu akzeptieren wie sie sind? „Na, super leicht“, werden die meisten antworten. ABER: Den Beziehungspartner oder die Partnerin hätte man an der einen oder anderen Stelle doch gern ein bisschen anders. Vor allem dann, wenn er oder sie sich rausnimmt, uns an unseren blöden Urthemen zu triggern. (Trigger: Ein beliebtes Therapiewort. Das soll soviel heißen wie „anstoßen, erinnern, pieksen“. Und was sollen unsere „Urthemen“ sein? Um es zu vereinfachen: Themen, die wir schon seit unserer Kindheit oder Jugend mit uns herumtragen. Vielleicht ein Elternteil, dass uns nicht ausreichend wertgeschätzt oder ein älteres Geschwisterkind, das uns bevormundet hat).  So, und jetzt kommt da ein Mensch daher, der einfach etwas macht, was uns maximal an ein früheres, vergessen gehofftes Gefühl erinnert. Nun haben wir zwei Möglichkeiten: schauen wo es herkommt oder – sehr, sehr beliebt – den anderen verändern wollen. Blöd nur, dass der oder die da nicht so unglaublich viel Lust zu hat.

Im Streit fällt bei dem einen oder der anderen die Frage: „Warum bist du nur so wie du bist?“. Das Vergnügen hatte ich auch schon in meiner eigenen Beziehung. Die Antwort: „Wo soll ich da bitte anfangen?“ Als systemische Therapeutin (NICHT als Partnerin 😉 ) ist meine Frage eher, warum hast du dir ihn oder sie ausgesucht? Oder, was an ihm triggert oder nervt dich so sehr, dass du in einen offenen Konflikt gehst? Also, was ist deine Aufgabe, was sollst du noch lernen? Was ist DEIN Thema? Klingt anstrengend und ich versichere euch, ist es auch!

Das Gute ist aber, nur in einer sicheren Beziehung ist streiten überhaupt möglich. Was es damit auf sich hat, erzähle ich euch ein anderes Mal.

Noch mal kurz zurück zu „was soll ich gleich noch lernen?!“ Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das interessiert in einem richtigen Streit erst mal keine Sau. Mir doch scheißegal was MICH da triggert, DU bist einfach nur ätzend. Fertig! Ende der Diskussion!

So eine „Du-Botschaft“ im richtigen Moment gießt noch mehr Öl ins Feuer und macht den Konflikt meist perfekt. Falls der Vorwurf fällt, die jeweils andere Partei sei wie ein Elternteil, bringt uns das schon ein kleines bisschen näher an die eigentliche Ursache des Streites. Deswegen: „Du bist wie meine Mutter!“ zu sagen oder zu schreien (stellt euch hier bitte einen leicht arroganten und hysterischen Tonfall vor), ist therapeutisch betrachtet schon mal sehr gut. Bitte weiter so.

Denn nur in einer Beziehung kann die Tür zu unseren Urthemen überhaupt geöffnet werden und wir haben die Chance Probleme zu finden, die wir alleine nicht gesucht hätten. Sprich, wir haben die Möglichkeit unschöne Gefühle zu verarbeiten. Außerdem haben wir die Chance, eine Lösung zu finden, die nicht zwangsläufig ein Konflikt ist.

In der systemischen Therapie sagen wir, der Konflikt ist die Lösung und die Lösung ist der Konflikt. Klingt unlogisch, wenn man es das erste Mal hört. Ehrlich gesagt auch noch beim zweiten und dritten Mal. Aber dann plötzlich denkt man sich, JAAA! Jetzt habe ich es verstanden. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

Bis bald und bleibt mir gewogen,

Eure Sarah

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