Kämpfende Zebras, schwarz weiß

Der Versuch aus einem Elefanten eine Mücke zu machen oder Konflikt als Lösung

Der Konflikt ist die Lösung.

„Ja, nee is klar.“ Am Anfang steht erst mal ein von ganzem Herzen kommendes „HÄ?!“

Wer kennt das nicht? Paare, die sich über den Haushalt oder besser um die fehlende Hilfe im Haushalt oder ähnlich Dramatisches streiten. Gerne fallen dann so deeskalierende Sätze wie „Nie hilfst du mir!“ „Immer muss ich alles alleine machen“ oder wenn nichts mehr hilft „Du bist genauso hilfreich wie mein Vater“. Aaah.. jetzt kommen wir dem ganzen doch ein kleines Stück näher.

Therapeutisch betrachtet können wir da schon mal ganz viel mit machen. Das ist auch gut so, weil man (und mit „man“ meine ich mich ;)) ein erstes Indiz hat, um was es eigentlich geht. Nämlich nicht wirklich um den Haushalt oder um die im letzten Beitrag erwähnte Zahnpastatube, sondern um ein Gefühl, das aus der Kindheit stammt.

Die meisten Menschen haben da eher wenig Lust zu, verständlich. Aber gucken wir uns diese schöne These „Der Konflikt ist die Lösung“ doch einmal genauer an. Nehmen wir ein handelsübliches Paar, das sich regelmäßig wegen ähnlicher Themen streitet. Der Streit ist ein unbewusster Versuch, das Problem zu lösen. „Aha“, mag der eine oder die andere von euch denken. Der Konflikt ist also ein Versuch, den Konflikt zu lösen? Wie soll das denn gehen?

Nehmen wir also weiter an, dass die eine Partei der anderen vorwirft, wie der eigene Vater zu sein. Dann könnten wir darauf schließen, dass der besagte Vater Eigenschaften besitzt oder besaß, mit denen wir als Kind eher schlecht bis gar nicht umgehen konnten (oder auch ein Klassiker: Die Mutter konnte damit nicht umgehen und wir übernahmen das Gefühl mal stellvertretend – ihr seht, es ist komplex).

Blöd ist immer nur, dass man als Kind so verdammt abhängig ist und die Eltern meistens liebt, egal was sie machen oder nicht machen. Da kommt doch der Partner oder die Partnerin gerade recht: Ähnliche Eigenschaften oder Verhalten und siehe da: Uralte Gefühle kommen hoch. (In der Therapie würden wir sagen: triggern. Da ist es wieder. Merkt euch das Wort, das ist eines meiner Lieblingswörter. Im Notfall schaut euch den ersten Beitrag an, da hab ich es kurz erklärt.) Leider ist dies meist ein unbewusster Vorgang.

Also tun wir was? Wir streiten. Um was zu tun? Um eine Lösung für ein altes unschönes Gefühl zu finden. Weil es jedoch meist weh tut oder sich wenigstens nicht so angenehm anfühlt, versuchen wir aus einem Elefanten lieber eine Mücke zu machen. Aus einem unbewussten Gefühl, wie  z.B. „als Kind hat dein Vater immer gesagt du seist dumm“ (der Elefant) wird ein bewusstes Gefühl, wie z.B. „dein Partner will dir erklären wie du die Zwiebeln „richtig“ schneidest, obwohl du das bestimmt selbst weiß“ (die Mücke), an dem man dann sein altes blödes Gefühl abarbeiten kann. Das bedeutet also, dass wir lieber auf unseren Partner wütend sind, obwohl der uns ja freundlicherweise nur an das alte „ich fühle mich dumm-Gefühl“ vom Vater erinnert als gar wirklich auf den Herrn Papa.

Falls das noch nicht genügend Streitideen waren, hier noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Um es auf die Spitze zu treiben, empfehle ich den Satz: „Du bist wie DEINE Mutter.“ Und dann schaut mal was passiert…

Übrigens: Nicht jeder Konflikt hat seinen Ursprung in der Kindheit, manche Leute sind einfach ätzend oder wir kommen mit ihren Marotten nur schwer zurecht! Da fällt mir noch ein Satz ein, den eine Freundin mal zu mir sagte. Der da lautet: „Ich bin ganz fasziniert davon, wie man sich auf so geringen Lebensniveau überhaupt wohlfühlen kann.“ Gott sei Dank sagte sie das nicht zu mir oder über mich…

In diesem Sinne, bis zum nächsten Mal und bleibt mir gewogen.

Eure Sarah

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